Mo im Fitnesswahn

Auf vielfachen Wunsch (äh… auf Wunsch eines Einzelnen) nun also vor der Schilderung meiner Erfahrungen mit der Rüttelplatte, hier meine Erlebnisse im Fitnessstudio:

Die Sache begann so

Die Herren bitte jetzt mal die Augen zukneifen, das ist jetzt ein Prolog für Frauen. Echt jetzt. Nicht schummeln! Ich sag Bescheid, wenn ihr wieder dürft 🙂
Schwestern im Geiste, Mädels, ihr kennt die Sachlage doch: Irgendwann kommt der Punkt, da steigst du morgens aus der Dusche und denkst beim Abtrocknen und einem prüfenden Blick hier hin und dort hin: „Keine Frage, so langsam besteht Handlungsbedarf! Winkearme, Hüftspeck, und nen Pobbes, der mit erotischer Schwungmasse untenrum nun nichts mehr zu tun hat“. Diese Feststellungen gepaart mit der Tatsache, dass die Erdanziehungskraft sich überall nachweislich an dir austoben will, macht dir nachdrücklich klar: Es muss wohl sein, es muss was getan werden und zwar ein bisschen plötzlich.
So ging’s auch mir.

Ran an den Speck

Ich also – die Herren: Ihr dürft wieder … – die Fitnessstudios in der Umgebung im Geiste durchgegangen und mich für eins entschieden, das in der Nähe meiner Arbeitsstelle liegt, denn ich war wild entschlossen, drei, vier Mal die Woche nach dem Tagwerk dort aufzuschlagen und den unfreundlichen Tatsachen zu Leibe zu rücken.
Also angerufen da und ein Probetraining vereinbart.
Zur verabredeten Zeit erst Mal eine Führung, dann umgezogen und wieder an die… so nannte man das da schick: Rezeption, wo mich Jörg erwartete. Jörg – groß, in Trainingshose und einem Muscle-Shirt, das gewaltige Muskelberge freigab, kahl rasiert und genervten, mega-arroganten Blicks: „Komm mal mit, wir duzen uns alle hier, ist doch ok“. „Natürlich ist das ok“ erwiderte ich und dackelte hinter ihm her. Jörg führte mich in eine Kabine, deutete auf den Besucherstuhl, wir setzten uns und er holte ein paar Bögen Papier hervor.
„Was willst du?” begann er: “Muskelaufbau, Abnehmen oder nur bisschen Fitness?“
Ich so: „Guck mich an. Noch Fragen?“
„Ok, dann gehen wir mal zur Waage“.
„Muss das sein?“ fragte ich augenrollend.
„Es muss!“
Wir also zum Ort des Entsetzens – das gemeine Ding spuckte nicht nur das Gewicht aus, nein – auch noch den Fett- und Wasser-Anteil im Körper, er dann noch die Größe notiert und wir uns wieder hingesetzt. Ich war am Boden, als Jörg mir schonungslos die Werte unter die Nase hielt.
„Da lässt sich noch was machen“ begann er hochgezogener Augenbraue und schleuderte mir meinen BMI ins Gesicht. „Ich vermute mal, du hast in den letzten Jahren nix getan, wie? Untrainiert, gell?“
Ich nickte gottergeben.
„Ich zeig dir erst mal die Geräte“. Geräte! Mein Gott, mein Fuhrpark in der Küche sind Geräte – die kannte ich, aber das da alles?
„Erst mal 20 Minuten Laufband“. Gut, ok. Ich also rauf da und langsam los. Jörg vor dem Ding und hämisch grinsend immer mal wieder auf einen Knopf drückend. Der Vollidiot hat langsam das Tempo gesteigert. „Ist der denn noch zu retten?!“ ging mir durch den Kopf. Ich schlug mich ganz wacker … äh … nach 20 Minuten war ich einem Kollaps nah und konnte auf seine Frage „Geht’s noch?“ nur mit unverständlich gebrabbelten Buchstabensammlungen nebst einem Nicken antworten.
„Halbe Stunde Radfahren!“
Zitternder Knie und schweißtriefend bestieg ich das Ding und rackerte los. Jörg entfernte sich und ich war glücklich, konnte er doch hier keinen Schaden durch Schwierigkeits-steigerungen anrichten. Dachte ich. Das Dreckding von Rad war so programmiert, dass es selbstständig die Watt-Zahl erhöhte und ich mich halb tot strampelte. Das Display vor mir zeigte in einem lustigen Bildchen die zurückgelegte Strecke – mit Bergen und Tälern und Bäumen – und rechts daneben fand sich die verbrauchte Kalorienzahl. Ich hechelte mich in Zehnerschritten durch die Kalorien, war saufroh, als ich die 300 überschritt und stieg ab. „Wir sind noch nicht fertig! Du hast noch fünf Minuten!“ Ob WIR fertig waren, war mir sowas von scheißegal. ICH war es, verdammt! Na gut, also wieder rauf da und das Elend zu Ende gebracht. Danach erst mal nen Liter Wasser auf ex. Mein Handtuch konnte man da fast schon auswringen.
„Rudergerät, hopp, keine Angst, das schaffst du noch!“ Ich also die Winkearme an die Paddel, den Hintern eifrig vor- und zurück schiebend und mir japsend halb im Wahn einbildend, dass ich den Rhein von Mainz nach Köln durchpflüge. Nach 20 Minuten wurde ich erlöst und ich fragte mich, wie je wieder aus dem Ding raus kommen soll . Ich wünschte mir einen Kran herbei, mein Pobbes tat weh, die Oberschenkel zitterten und ich war fertig mit der Welt. Das Herz raste, die Haare klebten, das Shirt pappte an mir wie ein Neoprenanzug – ich stellte bei einem Blick in die Spiegel, mit denen alle Wände unfreundlicherweise verkleidet waren, fest: Ich seh aus wie’s Leiden Christi.
Jörg eröffnete mir dann fröhlich, dass das Probetraining nun beendet sei, ich könnte beim nächsten Mal ja die Hantelbank? Und da und dort noch’n paar Gewichte drücken, das sei auch drin. „Und nun einen Vertrag…..? Ja? Zehnerkarte geht natürlich auch, ist aber teurer, musst du wissen. Nen Ernährungsplan könnten wir noch, der kost’ aber extra“.
Ich stieß nur ein „Machen wir nächstes Mal, Schüss“ raus, schlurfte Richtung Umkleide wie ein Marathonläufer in der Wüste Gobi bei km 42 und das Ziel schon vor Augen. Ich zog mir meine Jacke über, wickelte das Handtuch um den Hals, schnappte meine Tasche und erreichte nach gefühlten Stunden mein Auto. Duschen da? No way. Nix wie heim ins Reich und direkt in die Wanne.
Nun, aus dem Probetraining wurden dann ein paar Zehnerkarten. So zwei, drei. War immer ganz lustig da. Jörg klebte nach dem dritten Mal nicht mehr wie Pattex an meinem Hintern und ich machte mein Ding. Bisschen Laufband, bisschen Rad, das Rudergerät hat mich nie wieder gesehen und Gewichte drücken fand ich ganz spaßig.
Viel spaßiger war aber, das mittrainiernde Volk zu beobachten. Offensichtlich gibt es irgendwelche Dealer, die wahnsinnig schicke Trainingsklamotten in ihrem Portfolio haben und die man gefälligst zu tragen hatte, wenn man die Schwelle solcher Ertüchtigungstempel überschreitet. Ich mit Schlabberhose und Schlabbershirt wirkte zeitweise zwischen diesen Gestalten wie ein Alien. Ab und an tauchten Unerschrockene wie ich auf, denen es völlig egal war, wie sie aussehen, die einfach nur da ein bisschen was für sich machten und fertig.
Das Gros der Weiblichkeiten jedoch gewandete sich in hautenge Leggings (Tigermuster wurde gern genommen) oder Hot Pants und bauchfreie Shirts, legte sich entweder breitbeinig auf irgendwelche Bänke und drückten Gewichte oder standen schweißtropfenfrei bei den Hanteln, streckten den Hintern und das, was ihr Shirt sich ordentlich spannen ließ, raus und klimperten die Muskeltypen mit ihren künstlichen Wimpern an. Ich möchte nicht wissen, wie oft da eine einfach nach dem Training abgeschleppt wurde.
Manche männliche Zeitgenossen stöhnten heftig bei jeder Anstrengung und ab und an sah man einen sich umschauen, ob es auch ja bemerkt wird, wie viel Kilos er da bewegt.
Und dann die armen Hänflinge – blass und dürr, die auffallend verzweifelt versuchten, an so etwas wie ein Sixpack zu kommen oder mindestens an muskuläre Wölbungen auf den Oberarmen.
So weit, so gut.
Nachdem mir erzählt wurde, wie toll und erfolgreich es doch sei, auf ner Power Plate zu trainieren, hab ich mir nun also so eine Rüttelplatte bestellt. Morgen werd ich sie holen.
Ich seh mich schon auf dem Ding sitzend den Allerwertesten durchschütteln lassen und drauf stehend mit den Expandern den Winkearmen zeigend, was ne Harke ist. Der Speck wird anständig in Wallung gebracht und in vier Wochen werde ich nicht wieder zu erkennen sein. Zweifelsohne!
Bericht folgt.
So sieht das Ganze in etwa aus: https://www.youtube.com/watch?v=ywF…
Wild entschlossen:

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