Feine Antennen

Manchmal sind sie eine Belastung, meine feinen Antennen für Stimmungen und der Blick für menschliche Veränderungen.

Versammlung.

Eine Gruppe von ehemaligen und aktiven Mitarbeitern einer Firma. Pensionäre und aktive Mitarbeiter unterschiedlichen Alters.

Die Pensionäre: Meist bekannte Gesichter. Der eine früher mal ein Jäger – ein (selbsternannter) Frauenheld. Nahezu alles Weibliche, das bei Drei nicht auf dem Baum war, war Beute. Sein selbstsicherer, oft arroganter Blick damals entsprach damals diesem Verhalten voll und ganz.

Dann sieht man eben jenen Jäger von damals nach vielen Jahren bei diesem Treffen wieder. Er streift vor Beginn umher, sucht Kontakt zu Menschen, stellt sich zu kleinen Grüppchen dazu, möchte Teil des Geplänkels sein. Dann einen Platz suchend. Ganz hinten. Sein leerer, müder Blick geht durch den Raum und du hast sofort den Eindruck: Diesem Mann fehlt etwas, er ist einsam, er vermisst das, was hinter ihm liegt und gleichzeitig bereut er den Konsum: Den Konsum von Menschen, denn heute ist er … allein.

Ein anderer Pensionär … früher nahm er sich, seine Position und seine Arbeit sehr wichtig. Damals ein harter Knochen, unfreundlich, oft unter Selbstüberschätzung leidend und der Sucht, seine „Wichtigkeit“ deutlich machen zu müssen. Heute, nach vielen Jahren Rentnerdasein noch völlig verhaftet in seiner alten, vermeintlich großen Bedeutung, meldet er sich einige Male zu Wort, berichtet, wie bestimmte Vorgänge damals entschieden und gelöst wurden, wie er in Konfliktsituationen gehandelt hat, entschuldigt sich aber auch für ein Fehlverhalten, das lange zurück liegt. Du hast das Gefühl, dass diese Entschuldigung nur ausgesprochen wurde, um das eigene Ego zu reparieren. Du hast das Gefühl, er würde gern noch mitmachen und an den Rädern der Firma drehen können. Ihm fehlt es heute an Anerkennung, die er damals aus dem zog, was er tat. Anerkennung, die ihm weniger wegen seiner Persönlichkeit und seinen Leistungen von anderen zuteil wurde und damals eher den Namen Furcht und Ablehnung trug. Nur das hat er damals nie registriert.

Doch Gott sei Dank waren nicht nur diese beiden da.

Andere hellwach, lebendig, interessiert und gelassen ausstrahlend, dass sie ihr arbeitsfreies Leben genießen und noch immer engagiert am Firmengeschehen und der Zukunft der Firma teilnehmen.

Jetzt bin ich in gar nicht mehr so ferner Zukunft – ein paar Jahre liegen noch vor mir – auch soweit. Ich werde auch Pensionärin sein. Werde ich mich durch und in diesem neuen Lebensabschnitt verändern und wenn ja wie?

Das beschäftigt mich.

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