Der Adventskalender

Es war einmal … Vor vielen Jahren … Vor sehr vielen Jahren …

Ich bin einfach so: Ich mache gern anderen Menschen eine Freude. Menschen, die irgendwie in meiner Nähe sind, die ich irgendwie in meiner Nähe fühle. Ob der Empfänger mir nah sein will oder nicht, ist mir dabei völlig egal. Ich will Freude schenken.

„Irgendwie“ schreib ich hier ganz bewusst.

Wenn ich fühle, dass diese geschenkte Freude willkommen ist, dann mach ich einfach.

Damals – in jenem Jahr – machte ich.
Ich machte einen Adventskalender.
Man kann nie zu alt sein für einen Adventskalender.

24 Streichholzschachteln. Rot und grün angemalt. Jedes einzelne Schächtelchen. Mit goldener Farbe die Zahl draufgepinselt. In den 24 Schachteln befanden sich lauter Kleinigkeiten. Ein schönes Bild, das ich irgendwann geknipst hatte, ganz klein zusammengefaltet, eine kleine Zeichnung, ein Gedicht, ein paar Zeilen, winzig klein auf einem zusammengefalteten Zettel, ein Glückspfennig, und so weiter. Was in der 24 drin war, weiß ich heute nicht mehr. Die Bastelei, die Fummelei, dauerte Stunden und es machte einen irren Spaß, mich damit zu befassen – allein mich damit zu befassen, was für diese Person passend sein – worüber sie sich freuen könnte.

Als der Adventskalender fertig war, nahm ich einen Schuhkarton, den ich extra für dieses schon einige Wochen geplante Vorhaben aufgehoben hatte, bemalte auch ihn mit roter Farbe, schlug ihn mit grünem Seidenpapier aus und legte die 24 Streichholzschachteln hinein. Dazu packte ich noch ein paar Weihnachtssüßigkeiten: Ein paar Dominosteine, ein paar Spekulatius, ein paar Zimtsterne, alles in kleine durchsichtige Tütchen, oben mit roter Schleife drumrum, verpackt. Zum Schluss noch einen Tannenzweig drauf, das ganze in Packpapier eingeschlagen, Paketschnur drumrum, Adresse drauf, kein Absender (das ging damals) und ab zur Post.

War ich aufgeregt. Ich fühlte den Weg, den das Paket mit der Post nahm, nach und dachte an die großen Augen, die der Empfänger beim Auspacken bekommen musste.

Ein paar Tage später eine Nachricht „Warst du das?“
Ich: „Nö.“
„Doch, du warst das.“
„Nöhö.“
„Doch, du. Das war nicht nötig. Ich weiß gar nicht, was ich damit anfangen soll.“
„Ich muss jetzt weitermachen. Tschüss, schöne Weihnachten“.

Falsch gefühlt … und gelernt: Meine Freude muss nicht die Freude eines anderen sein.

Adventskalender hab ich seit dem nie wieder gebastelt.

„Kann ich mir gar nicht dran erinnern“.

Ich weiß. Macht nichts.

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