Wie schön …

Es gibt nur wenige Freundschaftsanfragen auf Facebook, die ich mit ungläubiger, sehr großer Freude angenommen habe. Eigentlich waren es mit der heutigen insgesamt zwei.

In beiden Fällen Menschen, die ich lange nicht gesehen habe, zu denen ich lange keinen Kontakt hatte, die aber für mich wichtige Mosaiksteine in meinem bisherigen Leben waren. Bei der heutigen Freundschaftsanfrage erinnerte ich mich sofort an eine ganz besondere Begegnung.

Ich habe gut 20 Jahre einen kleinen Job neben meinem normalen 9to5-Job gehabt. In einem Telefondienst, in dem telefonisch Fragen beantwortet oder Beschwerden entgegengenommen wurden.

Vor ca. 10 Jahren. Sonntag mittag. Es war nicht viel los. Meist haben wir solche Phasen für gute Gespräche über wirklich alle Themen, die die Kollegen und mich bewegten, genutzt. Ich habe von einigen Gesprächen wirklich sehr profitiert und viel gelernt.

Jürgen, damals Mitte, Ende 20, arbeitete an diesem Tag mit mir und brütete über einem Text. Jürgen war damals Schauspielschüler und lernte eine Rolle für seine Abschlussprüfung, die am nächsten Tag stattfand: Don Carlos von Schiller. Wir sprachen entgegen sonstigen Gewohnheiten nicht, er lernte und ich las ein Buch.

Plötzlich sprang er auf, schaltete den Ton der Fernseher ab, hielt mir seinen Text hin mit den Worten „Gott, bin ich nervös. Hör mich mal ab!“, durchmaß mit großen Schritten den Raum um die Schreibtische herum, stellte sich an die Stirnseite des Raums und begann.

Es war einer der faszinierendsten Augenblicke, die ich jemals erlebt habe.

Ich hatte bis dahin nie erfahren, wie sich ein Mensch in Sekunden völlig verändern, Worten Leben einhauchen, Ausdruck, Körpersprache und Stimme verändern und zu einer völlig anderen Person werden kann. Dieser schlaksige, coole Typ wurde buchstäblich binnen Sekunden zu einem verzweifelten Prinz, der von seiner tiefen Liebe zu einer Frau erzählte.

Das hat mich wirklich sehr beeindruckt. Bis heute.

Natürlich hat Jürgen die Prüfung bestanden und anschließend einige Engagements am Theater und beim Film angenommen. Heute lebt er seine Leidenschaft: Die Musik – und spielt in einer Band.

Ich freu mich wirklich sehr über das Wiedersehen.

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