Glaubenssätze

Glaubenssätze sind Gedanken – entstanden durch Erziehung und/oder Erfahrungen -, die sich tief in unserem Innern befinden und über lange Phasen eines Lebens mit der Persönlichkeit verbunden sein können. Sie tauchen immer wieder im eigenen Denken und Handeln auf, haben dich geprägt und sind – sofern es negative Glaubenssätze sind – schwer wieder los zu werden.

Positive Glaubenssätze hingegen beflügeln regelrecht, sind die Basis für Erfolge auf allen Gebieten und sorgen für tiefe Zufriedenheit und Glücksempfindungen.

Beispiele:

Negative Glaubenssätze

  • Ich lerne das nie
  • Ich bin zu schwach, um … zu tun
  • Ich werde scheitern, wenn ich ein Risiko eingehe
  • Andere denken schlecht über mich, wenn ich das sage, was ich denke
  • Ich muss den Erwartungen aller entsprechen
  • Träumer sind Versager, den Realisten gehört die Welt

Positive Glaubenssätze

  • Ich erreiche alles, was ich will
  • Ich habe den Mut, Risiken einzugehen
  • Ich bin, wie ich bin und so wie ich bin, bin ich gut
  • Jeder Tag ist ein Geschenk – ich muss es nur auspacken
  • Ich kann meine Träume verwirklichen
  • Es steht mir zu, glücklich zu sein

Mein negativer Glaubenssatz

Es gibt einen Glaubenssatz, der mich mit voller Wucht in meiner Kindheit getroffen und mich begleitet hat, bis ich etwa Mitte 20 war. Ich muss so zehn, zwölf Jahre alt gewesen sein. Damals kam ich aus der Schule, saß am Tisch, musste eine verhunzte Klassenarbeit – in Mathe eine 5 – beichten und die Unterschrift meiner Eltern darauf einholen. „Du endest mal als Klofrau am Bahnhof, wenn du so weitermachst“. Das saß.

Ich habe die Schule immer gehasst. Mathe, Physik, Chemie – fürchterlich. Deutsch und Englisch. Naja, hat aber Spaß gemacht. Ich (tag)-träumte mich durch die gesamte Schulzeit hindurch und lernte so gut wie nie. Immer wieder wurde meinen Eltern bestätigt, wie viel ich doch erreichen könnte, wenn ich nur gewissenhaft lernen würde. Verzweifelt vereinbarten meine Eltern einen Termin für einen IQ-Test bei einer Psychologin. Ergebnis: Überdurchschnittlich intelligent, „aber das Kind macht nichts damit“.

Irgendwie lavierte ich mich durch die Realschuhe, quälte mich anschließend durch ein Jahr höhere Handelsschule sowie die Berufsschule, die die Ausbildungszeit begleitete.

Keinen Pfifferling gab mein Umfeld auf meine berufliche Zukunft und ich selbst auch nicht. Woher auch? Niemand vertraute auf mich und meine Fähigkeiten, am wenigsten ich selbst und immer wieder bestätigte ich mir dies mit dem „Klofrau“-Satz. Dabei sehnte ich mich nach Anerkennung und Bestätigung. Sie fehlten mich nahezu komplett. Freiwillig erhielt ich beides so gut wie nie. Die Ausnahmen waren sehr, sehr selten. Ich war immer ängstlich, traute mich nichts und mir nichts zu. Ein Kind benötigt aber für eine gesunde Entwicklung kaum etwas mehr, als Anerkennung und Bestätigung, um sich entfalten, entwicklen und mutig voran gehen zu können.

Manchmal erzwang ich mir als Kind regelrecht Anerkennung, aber sonderlich viel wert war dieses Erzwungene natürlich nicht. Freude darüber stellte sich bei mir nicht wirklich ein.

Die Wende

So mit Mitte, Ende zwanzig wurde mir klar: Ich muss was tun. Ich muss mich befreien von der Sucht nach Anerkennung von Außen. Mir wurde klar, dass ich diesem Glaubenssatz „Du endest mal als Klofrau am Bahnhof“ die Stirn bieten und ihn dahin schicken muss, wo er hin gehört: Auf den Müllberg dessen, was ich getrost vergessen und aus meinem Leben eliminieren kann.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon eine harte, sehr harte Zeit hinter mir. Die Ausbildungszeit als Reiseverkehrskaufmann, weit weg von zuhause. Ich wohnte damals in einem möbilierten, kleinen Zimmer und hatte einen kleinen Nebenjob an einer Tankstelle. Ich hatte sehr hart gelernt, mich auf eigene Füße zu stellen, mit sehr wenig Geld auszukommen und mein Leben unabhängig von anderen und ohne ein Netz, das mich auffangen kann, zu leben. Ich war unendlich stolz darauf, die Ausbildung erfolgreich hinter mich gebracht zu haben, hatte eine Festanstellung erhalten und mir wurde die Verantwortung für eine ganze Abteilung eines Reisebüros übertragen.

Ich hatte es geschafft. Ich hatte mir bewiesen, dass ich es kann: Hatte mir bewiesen, dass ich nicht unfähig bin, dass ich sehr wohl Erfolge erzielen kann.

Ich kehrte nachhause in die Stadt zurück, in der ich aufgewachsen war, bezog meine erste Wohnung und nach drei weiteren Jahren in einem Reisebüro wechselte ich in die Reisestelle einer Firma und auch dort stellten sich kontinuierlich berufliche Erfolge ein, die sich zum einen in stetigen Gehaltsverbesserungen äußerten, aber auch – das war mir das Wichtigste – in der Anerkennung, die mir von anderen für meine Leistungen und mein Engagement entgegengebracht wurde.

Ich hatte meinen Weg gemacht – entgegen der festen Überzeugung aller, die mich von klein auf kannten.

Fazit

Geht verantwortungsvoll mit den Seelen eurer Kinder um. Fördert die euch anvertrauten Kinder und macht ihnen Mut, bestätigt sie in ihrem Tun, Denken und Fühlen. Vertraut ihnen.

Ob Kind oder Erwachsener: Lasst negative Glaubenssätze nicht zu. Lasst nicht zu, dass sie euer Denken, Fühlen und Handeln beherrschen, lasst nicht zu, dass sie euch lähmen.

Kein Kind, kein Mensch, hat es verdient, dass ihm die Flügel beschnitten werden. Jeder Mensch muss seine Flügel ausbreiten und auf der Basis von Vertrauen fliegen dürfen.

Immer.

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