Mo und … der Rüsselknecht

Peinlich.

Es war mir vor Jahren schon ein wenig peinlich, als ich mich das erste Mal mit dieser neuen Erfindung befasste. Peinlich, weil diese Neuentwicklung schon damals nichts anderem Rechnung trug, als der eigenen Faulheit. Meiner Faulheit. Faulheit? Ganich! Alles eine Sache des wohl überlegten Einsatzes von Lebenszeit. Jawohl!

Keine Frage, keine Diskussion: Für mich war diese Erfindung so wertvoll wie Glühbirne, Otto-Motor, Periodensystem, Aspirin, Buchdruck und Relativitätstheorie zusammen.

So Ende der 90iger war es, wenn ich mich recht entsinne, da kam sie auf den deutschen Markt. Ich las irgendwo darüber und riss die Augen auf. JA! JA! JA! Sooofocht zu mir! Ohne Umwege! Gehe nicht über Los! Ziehe nicht 4000 Mark ein! Sofort in die heimische Burg mit dir!

Nun, ich bin zwar manchmal nicht ganz Frau meiner Sinne – zugegeben: Trotz mancher geistiger Ausfälle und daraus folgenden Erwerbs von allerlei Dingen, von denen ich glaubte, ich könne ohne sie gewiss nicht leben, neige ich hie und da glücklicherweise dann doch dazu, meinen Verstand einzuschalten, mich erst einmal zu informieren und abzuwarten. So auch hier.

Ich zwang mich zur Ruhe und verfolgte in den Jahren danach die Entwicklung, die stetige Leistungsverbesserung und die daraus folgenden positiven Bewertungen.

Meinen hausfraulichen Pflichten kam ich in diesen Jahren … äh … pflichtbewusst und verzweifelt nach: Jou – ich rüsselte die Auslegware tapfer, unverdrossen old school und reichlich lustlos mit Herrn Siemens und irgendwann Herrn Dyson, war aber auch in froher Erwartung, denn ich wusste: Eines nicht allzu fernen Tages wird er mein sein.

Und so kam, was kommen musste: „Nun gilt’s“ dachte ich, jetzt und sofort musste es sein und ich entschied mich für meinen ersten wahren Haushaltsknecht: Einen Saugroboter.

Ich pfiff drauf, dass das Ding nun wirklich nicht gerade preisgünstig war und zwang mich daher nicht nur deswegen zur Verschwiegenheit: Ich ahnte, dass jeder, dem ich erzählen würde, was ich vor hatte, die Story mindestens mit einem Kopfschütteln quittieren würde, im ungünstigsten Fall gefolgt von einem „Du hast se nicht mehr alle“. Freunde der Heiterkeit … seufz …: Es kam noch schlimmer. Später mehr dazu.

Ratzfatz war  eine Quelle ausbaldowert, die mir einen … öh … wirklich guten Preis für das Modell meiner Wahl gemacht hat. Weit unter dem Marktpreis. Ich erklärte mich daher zu einem ausgesprochen cleveren Ding, das ob des eigenen Verhandlungsgeschicks diese Belohnung geradezu verdient hat, mhm!

Endlich – es kam der Tag der Tage: Es klingelte an der Tür. Ich öffnete und der Bote drückte mir ein riesiges Paket in die Arme. Unterschrift, Danke, Tschüss, Tür zu, Teppichmesser her, aufgeschlitzt – alles in gefühlten Sekundenbruchteilen erledigt.

Ich, als erklärter Technik-Freak, habe es echt nicht so mit der Geduld. Anders: Eins nach dem anderen, wie man die Klöß‘ isst, is nich. Wenn ich was auszuprobieren habe, das brummt, das was tut, das was sagt, das Krach oder Musik macht und auch noch über blinkende Lämpchen verfügt: Bedienungsanleitung lesen? Hä? RTFM hab ich manches Mal zu mir gesagt, wenn ich mit irgendeinem Gerät ziemlich bald nach dem Erwerb ein Problem hatte und nicht weiterkam. Kam aber selten vor.

Also alles ausgepackt, Karton erst einmal irgendwohin gepfeffert, wo er nicht störte, Transportsicherungen entfernt und die Herrlichkeit unter die Lupe genommen. Nachdem ich, während der Roboter an seiner Ladestation auflud, verzweifelt die Fernbedienung gesucht und sie im Karton in der hintersten Ecke gefunden hatte, konnte das Ding an den Start.

Ich starrte mit einem mit Sicherheit ans Debile grenzenden Lächeln auf den Boden. Begeisterung pur. Nach dem Chaos-Prinzip … „Och“, dachte ich „passt“ … durchpflügte er die Wohnung, umfuhr Stuhl- und Tischbeine und verkroch sich unter Couch und Bett, um dort sein Werk zu verrichten. Ich schlich ihm hinterher und feierte das Ding ab ohne Ende.

Zwischendrin mal den Auffangbehälter inspiziert, ungläubig auf die Folgen des eifrigen Tuns darin gestarrt und ihn dann weitermachen lassen. Nicht zu fassen, ganz großes Kino.

Das Telefon klingelte „Hier ist Papa, wie geht es dir, mein Kind, was machst du, was tust du, was gibts Neues, sprich!“ Tage später, als ich bei meinen Eltern zu Besuch war: „Äh, was war denn das für ein Krach bei dir im Hintergrund als ich angerufen hab, hattest du Handwerker im Haus, hm?“ Ich, ganz brave Tochter, beichtete den Neuerwerb. Papa hob den Kopf und eine Augenbraue, schaute minutenlang schweigend erst mich an, dann hilfesuchend zu meiner Mutter, die angestrengt und schmallippig in eine andere Richtung blickte und entgegnete dann knapp: „Nicht zu fassen! Faulheit siegt! Themawechsel, ehe ich mich aufregen muss!“. Durch vier Frauen im Haus leidensfähig und kampferprobt, konnte ihn eigentlich nie wirklich etwas aus dem Gleichgewicht bringen – jedwede Überraschung, die wir ihm in den vergangenen Jahrzehnten präsentierten, hat er stets mit einer Engelsgeduld und einem gerüttelt Maß Stoizismus hingenommen. So auch diese. Naja, fast jedenfalls …

Die ersten zwei, drei Mal musste ich noch gebannt zuschauen, als wär’s ein spannender Krimi, danach programmierte ich Knechti so, dass er seine Arbeit verrichtete, während ich im Büro war.

Achja: Neulich hab ich den Rüsselknecht dabei erwischt, dass er eine Socke frisst.

Achja zwotens: Es gibt ihn nun auch mit Smartphone-App. Der Gipfel der faulen Dekadenz. Knechti vom Schreibtisch aus anrufen und auf den Startknopf in der App drücken. I love it! Und der alte macht nun meine Nichte glücklich.

Achja drittens: Thermomix? In diesem Leben und im folgenden nicht! Schwör!

 

 

 

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